(Über-)Regionale News...
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LAGA vs. PerleBÄM

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…da sie für mich aktu­ell kei­ne Priorität besitzt – nach­dem die Organi­satoren des PerleBÄM eine schrift­li­che Einladung (per E‑Mail) zur gesell­schaft­li­chen Veränderung der Gesellschaft abge­lehnt haben.

Nach mei­nem per­sön­li­chen Eindruck möch­ten die Organisatoren des PerleBÄM ihr gutes Verhältnis zur LAGA in Wittenberge sowie zur Stadtverwaltung in Perleberg nicht unnö­tig belas­ten – also zu jenen insti­tu­tio­nel­len Strukturen, von denen freie Kulturprojekte heu­te oft­mals direkt oder indi­rekt finan­zi­ell abhän­gig sind.

Gerade dar­in zeigt sich mög­li­cher­wei­se eine der psy­cho­lo­gisch inter­es­san­tes­ten Entwicklungen unse­rer Zeit:

Je stär­ker kul­tu­rel­le Projekte von Fördermitteln, Verwaltungsstrukturen und poli­ti­schen Wohlwollen abhän­gig wer­den, des­to schwie­ri­ger wird oft­mals eine wirk­lich freie gesell­schaft­li­che Positionierung.

Im Download-Bereich fin­det man übri­gens bereits ein ent­spre­chen­des Infoblatt zur Thematik die­ser Seite – natür­lich for­ma­tiert, wie ich es mei­ner Anfrage an das Kulturkombinat und dem PerleBÄM bereits bei­gefügt hatte.

Auch in die­sem Zusammenhang ist es gut zu wissen:

JA! Man möch­te Veränderungen zum Positiven.*
NEIN! Man möch­te dabei sei­ne eige­ne Komfortzone mög­lichst NICHT ver­las­sen.*

*) Weil der Gegenkampf oft­mals mehr gute Gefühle, Anerkennung und sozia­le Zugehörigkeit erzeugt als die eigent­li­che Ursachenbeseitigung inklu­si­ve der dafür not­wen­di­gen Konfrontation.

Dabei zei­gen sich nicht sel­ten oppor­tu­nis­tische An­pas­sungs­ten­den­zen inner­halb för­der­ab­hän­gi­ger Strukturen – was man mög­li­cher­wei­se auch als Kon­flikt­ver­mei­dungs­ro­man­tik, Wohl­fühl­op­por­tu­nis­mus, Kom­fort­zonen­ak­ti­vis­mus oder gesell­schaft­li­che Kon­sens­se­die­rung bezeich­nen könnte.

Begleitet wird all dies nicht sel­ten von sehr akti­ven Be­trof­fen­heits­ma­nage­ment-Nach­mit­ta­gen bei wohl­tu­en­dem Baldriantee.

Und noch ein sehr wich­ti­ger Hinweis:

Die für mor­gen ange­setz­te Revolution fällt lei­der aus.
Dafür fin­det aber im sel­ben Raum das Achtsamkeitsyoga statt.

Sitzkreiskissen, Räucherstäbchen und Klangschalen sind zu genü­ge vor­han­den und unser Motto lau­tet:

Alle atmen sich kol­lek­tiv-kon­se­quent am System vor­bei.” 🙏🏽

Die Landesgartenschau blüht auf
– wäh­rend das PerleBÄM eingeht

Oder ganz tro­cken gesagt:

Das künst­lich Gepflanzte wird bewäs­sert,
wäh­rend das natür­lich Gewachsene verdurstet.

Am 30. und 31. Mai 2026 wird in Perleberg erneut das Festival für Straßenkunst „PerleBÄM“* statt­fin­den – ver­an­stal­tet vom Kulturkombinat Perleberg**.

*) www.perlebam.de
**) www.kulturkombinat-perleberg.org

Ein Festival vol­ler Straßenkunst, Musik, Begegnung, Improvisation und ech­ter mensch­li­cher Nähe.

Ein Festival,
das nicht aus Hochglanzbroschüren ent­steht,
son­dern aus Menschen.

Aus Künstlern,
die auf Pflastersteinen spielen.

Aus Begegnungen,
die sich nicht pla­nen lassen.

Aus Momenten,
die kei­ne Förderkennziffer besitzen.

Und genau die­ses Festival kämpft inzwi­schen mas­siv ums finan­zi­el­le Überleben.

Öffentlich wur­de erklärt, dass wich­ti­ge Fördermittel nicht bewil­ligt wur­den und nun eine erheb­li­che Finanzierungslücke ent­stan­den ist.* Gleichzeitig wur­de über Crowdfunding und Spenden ver­sucht, das Festival über­haupt noch auf finan­zi­ell siche­re Beine zu stellen.

***) www.startnext.com/perlebaem-festival-fuer-strass

Währenddessen flie­ßen an ande­rer Stelle wei­ter­hin Millionenbeträge in künst­lich geschaf­fe­ne Erlebnis- und Stadtentwicklungsprojekte wie die Landesgartenschau (LAGA) 2027 in Wittenberge.

Und genau hier beginnt eine gesell­schaft­li­che Entwicklung sicht­bar zu wer­den, die immer mehr Menschen unter­schwel­lig als zutiefst wider­sprüch­lich empfinden.

Denn wäh­rend das natür­lich gewach­se­ne kul­tu­rel­le Leben zuneh­mend finan­zi­ell aus­trock­net, wer­den künst­lich geschaf­fe­ne Erlebnisräume immer inten­si­ver bewässert.

Die Landesgartenschau ist dabei nicht ein­fach nur eine Gartenschau.

Sie ist Symbol einer Entwicklung, in der immer grö­ße­re Summen in:

  • Prestigeprojekte,
  • Stadtmarketing,
  • Erlebnisästhetik,
  • Verwaltungsstrukturen,
  • künst­lich erzeug­te Attraktivität
    flie­ßen.

Das PerleBÄM dage­gen steht bei­na­he sinn­bild­lich für das Gegenteil:

  • Für spon­ta­ne Kultur.
  • Für freie Begegnung.
  • Für unmit­tel­ba­res mensch­li­ches Leben.
  • Für etwas, das nicht voll­stän­dig kon­trol­lier­bar, mess­bar oder ver­wal­tungs­tech­nisch nor­mier­bar ist.

Und viel­leicht liegt genau dort das eigent­li­che Problem. Denn ech­te Lebendigkeit ent­steht sel­ten in Förderanträgen.

Sie ent­steht zwi­schen Menschen.
Auf Straßen.
Auf klei­nen Bühnen.

Zwischen Musik,
Gelächter,
Improvisation,
Unsicherheit
und ech­ter Nähe.

Doch genau die­se Form natür­li­cher kul­tu­rel­ler Energie wird finan­zi­ell immer fragiler.

Während Millionenbeträge in zeit­lich begrenz­te Großprojekte flie­ßen, müs­sen freie Kultur-initia­ti­ven zuneh­mend um Spenden kämpfen.

Das erzeugt eine gesell­schaft­li­che Schizophrenie:

Die Menschen zah­len immer höhe­re Steuern und Abgaben, damit künst­li­che Projekte finan­ziert wer­den, über die sie sich anschlie­ßend freu­en „sol­len“ – wäh­rend gleich­zei­tig genau jene natür­li­chen sozia­len und kul­tu­rel­len Strukturen ver­schwin­den, die frü­her ganz selbst­ver­ständ­lich aus dem Leben selbst entstanden.

Immer mehr wirkt es, als kön­ne gesell­schaft­li­che Lebendigkeit nur noch künst­lich erzeugt,
insze­niert und geför­dert wer­den. Fast so, als hät­te man ver­ges­sen, dass Städte ursprüng­lich nicht durch Erlebnisarchitektur leben­dig wur­den – son­dern durch Menschen.

Vielleicht lohnt gera­de des­halb ein Blick in die Geschichte der soge­nann­ten „Rolandstädte“ wie Perleberg.

Die mit­tel­al­ter­li­chen Rolandfiguren stan­den einst sym­bo­lisch für:

  • Bürgerrechte,
  • städ­ti­sche Freiheit,
  • Eigenständigkeit,
  • Selbstverwaltung
    und eine leben­di­ge Bürgerschaft, die ihre Stadt aus eige­ner Kraft gestaltete.

Der Roland war damit kein Symbol ver­wal­te­ter Erlebniswelten, son­dern Ausdruck einer Gesellschaft, in der Lebendigkeit, Kultur und Gemeinschaft noch deut­lich stär­ker aus den Menschen selbst her­aus entstanden.

Heute wirkt es dage­gen fast wie eine his­to­ri­sche Umkehrung:

Während der stei­ner­ne Roland noch immer Freiheit und Eigenständigkeit sym­bo­li­siert,
wer­den Städte zuneh­mend abhän­gig von:

  • Förderprogrammen,
  • Verwaltungsstrukturen,
  • Projektlogiken
    und künst­lich erzeug­ten Erlebnisräumen.

Fast so, als hät­te sich die gesell­schaft­li­che Entwicklung lang­sam von den Menschen weg – und immer stär­ker hin zu steu­er­ba­ren Strukturen verlagert.

Früher kämpf­ten Städte für Eigenständigkeit und Stadtrechte.

Heute kämp­fen vie­le freie Kulturprojekte bereits um ihre blo­ße finan­zi­el­le Existenz.

Und viel­leicht zeigt sich gera­de dar­in eine der stills­ten, aber zugleich tief­grei­fends­ten Veränderungen – und die eigent­li­che Tragik unse­rer Zeit:

Je stär­ker der natür­li­che gesell­schaft­li­che Zusammenhalt schwin­det, des­to mehr ver­sucht man, Lebendigkeit künst­lich zu erzeugen.

Dann ent­ste­hen:

  • Großevents,
  • Erlebnisräume,
  • Prestigeprojekte,
  • Hochglanzaufwertungen,
  • künst­li­che Blütenlandschaften.

Nicht unbe­dingt aus bösem Willen. Sondern weil das natür­li­che Leben dar­un­ter längst zu ver­dor­ren beginnt.

Die Landesgartenschau blüht auf – wäh­rend das PerleBÄM eingeht.

Das künst­lich Gepflanzte wird bewäs­sert, wäh­rend das natür­lich Gewachsene verdurstet.

Und viel­leicht ist genau das
eine der trau­rigs­ten Beschreibungen unse­rer Zeit.