Das unheimlich mysteriöse Quorum
Ein Quorum ist eine Mindestbeteiligung der Bevölkerung bzw. der Wahlberechtigten, ab der eine Wahl, Abstimmung oder Entscheidung überhaupt erst als ausreichend legitimiert gilt.
Oder anders ausgedrückt:
Wenn sich der überwiegende Teil der Bevölkerung weder für die Wahl noch für die Politik interessiert, stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage, wie „demokratisch“ das daraus entstehende Ergebnis eigentlich noch ist.
Denn wenn am Ende nur eine Minderheit der Bevölkerung tatsächlich aktiv an einer Wahl teilnimmt, entsteht eine interessante psychologische Besonderheit:
Die Menschen sprechen plötzlich von „demokratisch legitimierter Macht“ – obwohl große Teile der Bevölkerung innerlich längst ausgestiegen sind.
Das Problem dabei ist nicht einmal die Nichtwahl selbst.
Sondern die Tatsache, dass unser derzeitiges System politische Legitimation auch dann erzeugt, wenn sich ein erheblicher Teil der Gesellschaft überhaupt nicht mehr beteiligt.
Oder noch einfacher formuliert:
In der sogenannten „repräsentativen Demokratie“ gilt dies jedoch plötzlich als völlig normal, während den Ausgestiegenen, Resignierten oder innerlich längst Ermüdeten auf Basis vereinfachender Schuldzuschreibungen häufig sogar noch die Verantwortung für gesellschaftliche Fehlentwicklungen übertragen wird – begleitet von einer nicht selten sehr intensiven Form des systemischen Gaslightings über POlitik, Medien und öffentliche Debattenräume.
Ein faires* Quorum würde genau an diesem Punkt ansetzen, denn durch das völlige Fehlen fairer* Quoren in unseren politischen Wahlsystemen kann das Wahlsystem selbst niemals infrage gestellt werden.1Auf Basis des strukturellen Selbsterhalt um (fast) JEDEN PREIS!
Ein faires* Quorum würde sichtbar machen, wann eine Gesellschaft politisch wirklich mitträgt – und wann lediglich innerhalb einer immer kleiner werdenden aktiven Restgruppe Entscheidungen getroffen werden, die anschließend trotzdem für ALLE gelten.
Das eigentliche Problem ist dabei möglicherweise nicht einmal das Wahlsystem selbst. Sondern dass viele Menschen Demokratie hauptsächlich als ritualisierten Wahlvorgang kennengelernt haben – und nicht als lebendige Form gesellschaftlicher Mitverantwortung.
Vielleicht braucht echte Demokratie deshalb nicht nur mehr Beteiligung. Sondern vor allem mehr Bewusstsein.
Denn:
Wer nur alle paar Jahre ein Kreuz Macht und sich ansonsten innerlich aus allem zurückzieht, verwechselt Demokratie möglicherweise mit einer delegierten Form gesellschaftlicher Selbstentmündigung. 🙁
*) Hier stellt sich die Frage: Wie hoch sollten faire bzw. sinnvolle Quoren auf den verschieden Ebenen (regional bzw. kommunal oder je Bundesland bzw. auf Bundesebe sein)?2Gut zu wissen: Bei Volksentscheiden bzw. bereits dabei, diese überhaupt erst auf den demokratischen Weg zu bringen, sind gleich mehrere Quoren-Hürden SEHR hoch – was psychologisch etwas mit gesellschaftlichen Blockaden auf Basis einer zunehmend „überzogenen Angst vor Kontrollverlust“* (noch dazu in Verbindung mit den „negativen Aspekten der Gruppendynamiken“) zu tun hat, die unsere Gesellschaft inzwischen fast vollständig im Würgegriff halten.
*) Humoristisch ausgedrückt: „Ihr könnt alles machen, was ich will!“ Hierzu ein aktuell-regionales Beispiel:
Dr. phil. Oliver Hermann wurde bei der Bürgermeisterwahl im kommunalen Wahlkreis Wittenberge am 10. März 2024 mit 96,1 % der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt3Solche Wahlergebnisse wecken bei manchen Menschen in den neuen Bundesländern historische Erinnerungen. – HURRA!

Allerdings gab es dabei:
- keinen Gegenkandidaten4Das erinnert vor allem viele Menschen noch an DDR-Zeiten.
- und die Wahlbeteiligung lag NUR bei 33,2 %5Das wäre – auch mit Hilfe der Staatssicherheit – in der DDR niemals möglich gewesen!
Das bedeutet rechnerisch grob:
- etwa NUR ein Drittel der Wahlberechtigten hat überhaupt abgestimmt,
- und davon wiederum 96,1 % für den einzigen Kandidaten – noch einmal HURRA! HURRA!


Oder anders formuliert:
Die Zustimmung unter den tatsächlich Abstimmenden war extrem hoch – die tatsächliche Beteiligung der Gesamtbevölkerung im kommunalen Wahlkreis Wittenberge glich dagegen eher dem Ergebnis einer sehr gut wirkenden Schlaftablette.
Und genau solche Unterschiede zwischen:
- offizieller Prozentzahl
und - realer gesellschaftlicher Beteiligung
sind psychologisch oft interessanter als die nackte Schlagzeile (Stichwort: systemisches Gaslighting):
HURRA! – 96 % Zustimmung – HURRA! HURRA!



Moralisch gesehen
wäre die genannte Bürgermeisterwahl
– wie so viele andere politische Wahlen auch –
unter fairen demokratischen Mindestbedingungen
möglicherweise niemals gültig geworden.
Das eigentlich Traurige bei all dem ist:
Immer mehr Menschen leben nicht mehr selbstbestimmt auf ein positives Ziel hin, sondern versuchen nur noch, das jeweils kleinere Übel zu wählen und zu ertragen.
Also nicht mehr: „Wo will ich eigentlich hin?“ sondern: „Was tut heute etwas weniger weh?“
Aufklärungs- und
Bewusstmachungsflächen in Wittenberge und Umgebung
gesucht (Nicht nur an Zaunlatten und Lattenzäunen!)
- 1Auf Basis des strukturellen Selbsterhalt um (fast) JEDEN PREIS!
- 2Gut zu wissen: Bei Volksentscheiden bzw. bereits dabei, diese überhaupt erst auf den demokratischen Weg zu bringen, sind gleich mehrere Quoren-Hürden SEHR hoch – was psychologisch etwas mit gesellschaftlichen Blockaden auf Basis einer zunehmend „überzogenen Angst vor Kontrollverlust“* (noch dazu in Verbindung mit den „negativen Aspekten der Gruppendynamiken“) zu tun hat, die unsere Gesellschaft inzwischen fast vollständig im Würgegriff halten.
*) Humoristisch ausgedrückt: „Ihr könnt alles machen, was ich will!“ - 3Solche Wahlergebnisse wecken bei manchen Menschen in den neuen Bundesländern historische Erinnerungen.
- 4Das erinnert vor allem viele Menschen noch an DDR-Zeiten.
- 5Das wäre – auch mit Hilfe der Staatssicherheit – in der DDR niemals möglich gewesen!



