Abschieben! – Ein Bericht von der AfD-Demo vom 23. Juli 2026
Veröffentlicht von: Ad Ministrator – am: 24. Juli 2026
kurz nach dem Frühstück
Die Messerstecherei vom 10. Juli 2026 erschütterte viele Menschen in Wittenberge. Wenige Tage später reagierte die AfD mit einer Demonstration unter dem Motto “Abschieben!”. Doch hilft uns dieser Ruf dabei, die eigentlichen Ursachen zu verstehen?
Was sagte Warren Buffett, ein US-amerikanischer Investor und Milliardär, einmal sehr eindrucksvoll:
Es herrscht Klassenkrieg, richtig – aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.
Und wie heißt es so schön im Volksmund?:
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
Und so hat die AfD in Wittenberge mit ihrer Demonstration am 23. Juli 2026 – vom Ratloshaus Rathaus bis kurz vor das Kulturhaus – aus meiner Sicht erneut dazu beigetragen, die gesellschaftlichen Gräben weiter zu vertiefen.
Die eigentlichen Gewinner solcher Auseinandersetzungen sind jedoch diejenigen, die unsere Gesellschaft global ausplündern, dadurch die Lebensverhältnisse von immer mehr Menschen auf der ganzen Welt verschlechtern und zugleich einen wesentlichen Beitrag zu den weltweiten Fluchtbewegungen leisten – siehe auch: Wer Macht eigentlich den Kapitalismus?
Statt gemeinsam auf die (globalen) Ursachen zu schauen und darüber nachzudenken, wie man ihnen begegnen könnte, wurden am Ende der Demo natürlich sehr wichtige Reden über das Ausmaß der Auswirkungen geschwungen, und zahlreiche AfD-Funktionäre sowie weitere Vertreter der Partei waren vor Ort, um sich ihren Beifall abzuholen.
Natürlich ist eine Messerstecherei mitten in einer Kleinstadt wie Wittenberge eine schreckliche Tat. Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass die steigende Zahl schwerer Gewaltdelikte – unabhängig davon, wer sie begeht – viele Menschen verunsichert. Ebenso wenig darf verschwiegen werden, wenn Tatverdächtige ausländische Staatsangehörige sind. Zu einer ehrlichen Berichterstattung gehören diese Fakten dazu.
Ebenso gehört aber auch dazu, den bisherigen Ermittlungsstand nicht zu verschweigen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei liegt der Hintergrund der Tat nach derzeitigem Kenntnisstand im persönlichen Umfeld der Beteiligten. Ob und welche weiteren Erkenntnisse die Ermittlungen noch ergeben, bleibt abzuwarten.
Die AfD setzte mit ihrer Demonstration in Wittenberge hingegen einen anderen Schwerpunkt. Nicht die konkreten Hintergründe der Tat standen im Mittelpunkt, sondern die grundsätzliche Forderung nach Abschiebungen sowie die politische Einordnung des Geschehens. Das ist das gute Recht einer politischen Partei. Es bleibt jedoch die Frage, ob dadurch tatsächlich Ursachen bekämpft oder vor allem Emotionen verstärkt werden.
Denn zwischen einer einzelnen Gewalttat und den eigentlichen gesellschaftlichen Problemen liegen oft Welten. Wer ausschließlich über Tätergruppen spricht, aber kaum über die Ursachen von Flucht, sozialer Spaltung, wirtschaftlichen Interessen oder einer seit Jahren überforderten Integrationspolitik, beschreibt aus meiner Sicht nur einen kleinen Teil des Gesamtbildes.
Während sich die öffentliche Debatte regelmäßig an den Auswirkungen entzündet, geraten die Ursachen immer wieder aus dem Blick. Genau das scheint sich seit Jahrzehnten zu wiederholen. Nach jeder schockierenden Tat werden dieselben Forderungen erhoben, dieselben politischen Lager stehen sich gegenüber und dieselben Schuldzuweisungen ausgetauscht – ohne dass die grundlegenden Probleme dadurch kleiner werden.
So erinnerte die Demonstration für mich weniger an einen politischen Neuanfang als an ein Ritual, das sich in regelmäßigen Abständen wiederholt. Immer wieder grüßt das politische Murmeltier: Die üblichen politischen Emporkömmlinge arbeiten sich am nächsten Aufreger nach oben, während die eigentlichen gesellschaftlichen Fragen unangetastet bleiben.
Und so blieb bei mir am Ende weniger der Eindruck einer Veranstaltung, die Lösungen suchte, sondern vielmehr eine, die vorhandene Gräben weiter vertiefte. Wer nur über Symptome spricht, wird Ursachen kaum beseitigen können – und wir sind schon jetzt sehr gespannt auf die Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung der Fortsetzung…
Während sich nach meiner Schätzung rund 150 Teilnehmer dem Demonstrationszug mit anschließender Kundgebung der AfD anschlossen, versammelten sich am Rande der Veranstaltung auch zwei Gegendemonstranten mit einem „ekelhAfDen“-Banner. Die kleine Gegenkundgebung verlief friedlich und machte deutlich, dass es selbst in einer vergleichsweise kleinen Stadt wie Wittenberge unterschiedliche Sichtweisen auf den Umgang mit solchen Ereignissen gibt.
Michael Fielsch*
Betreiber der internetten Plattform Wittenberge-entdecken.de
Seit 2009 gesellschaftspolitisch und über die Zeit
immer mehr gesellschafts-polit-therapeutisch aktiv…
Hauptsächlich gegen die Agenda 2010 und ihren menschenverachtenden Hartz-IV-Gesetzgebungen und für das bedingungslose Grundeinkommen – BGE.
*) LEIDENschaftlicher Erfahrungsexperte und Seelsorger für Andersdenkende sowie zertifizierter “Ersthelfer für seelische Gesundheit” durch das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit: MHFA-Ersthelfer.de
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- 1Der Begriff „verMerkelt“ beschreibt den gesellschaftlichen Zustand fortgeschrittener Alternativlosigkeit. Er tritt bevorzugt dann auf, wenn Menschen anfangen zu glauben, dass es keine Alternativen mehr gibt, obwohl sich diese weiterhin direkt vor ihrer Nase befinden. Sprachhistorisch steht der Begriff in enger Verwandtschaft zum Unwort des Jahres 2010: „alternativlos“. ↩︎



















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